Von Taxila nach Havelian

 

Karte: Von Taxila nach HavelianZu den Füßen des Himalaya

 

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Wir verlassen Rawalpindi etwa zur Frühstückszeit. Als Zuglok arbeitet immer noch unsere SGS 2470 aus Malakwal. Die pakistanische Hauptstrecke nach Peshawar muß sich dem jetzt hügeligeren Gelände anpassen, und unsere SGS kommt zeitweilig ganz schön ins Schnaufen.

Im Bahnhof Taxila Cantonment zweigt die Strecke nach Havelian ab. Auch diese Bahnlinie ist, wie viele andere in diesem Land, von den Briten primär aus strategischen Gründen gebaut worden. Bis Havelian war die Trasse wohl noch einigermaßen finanzierbar. Der Paß dahinter aber nach Abbottabad blieb für die Eisenbahn unbezwingbar, und es sollte mehrere Jahrzehnte dauern, bis schließlich eine Straße, der berühmte Karakoram Highway, das Gebirge bezwingen würde und einen einigermaßen verläßlichen Landweg nach China bilden sollte.


Taxila, Sonderzug, 76 kBTaxila Cantt., Abschied vom Schlafwagenzug

In Taxila heißt es Abschied nehmen von unserem Schlafwagenzug. Die Lok wird uns jedoch erhalten bleiben und den neuen Zug nach Havelian befördern. Sie wird am Bahnsteig behandelt, und auch ihre beiden zusätzlichen Wassertender werden nochmals gefüllt.

25. Januar 1996
 


Taxila, Planzug, 79 kBTaxila, Planzug mit EMD-Nachbau

Auf dem anderen Gleis kommt währenddessen ein Planzug vorbei, bespannt mit einer Lok der Baureihe GMCU-15 von 1979, einem Nachbau der EMD-Reihe GMU-15 von 1975.

Solange Alco existierte, war dieser Hersteller der Hausliefertant der PR. Danach gaben GE und EMD ein Zwischenspiel, bis dann Hitachi und auch Henschel zum Zuge kamen. Vielleicht fährt hier auch irgendwann mal der Blue Tiger, falls es denn gelingt, derartige Loks hier über längere Zeit in Betrieb zu halten.

25. Januar 1996


Taxila, GmP, 71 kBTaxila, Bereitstellung des GmP

Unsere SGS hat inzwischen einige Rangierfahrten hinter sich und einen Mixed Train zusammengestellt, mit dem es nach Havelian weitergehen soll. Wie sich herausstellt, handelt es sich um beladenene Güterwagen, mit Fracht, die auch für Havelian bestimmt ist. An sich ist es eine gute Idee, neben den Eisenbahnfreaks auch noch etwas sinnvolleres durch die Lande zu fahren. Allerdings steigt die Strecke nach Havelian um 460m und die Last wird wohl die Kräfte unserer Lok schwer beanspruchen.

25. Januar 1996


Usman-Khattar, Brücke, 82 kBFlußbrücke bei Usman-Khattar

Zunächst ist es nicht die Steigung, die der Lok zu schaffen macht, sondern die Federung der mittleren Achse, die kurz hinter Taxila schlicht und einfach bricht. Das Lokpersonal ist aber ans Improvisieren gewöhnt und kann die Achse soweit entlasten, das wir ohne größere Bedenken weiterfahren können.

Das trockene Flußbett, das wir hier überqueren gibt einen Hinweis darauf, mit welchen Wassermassen hier zur Schneeschmelze gerechnet werden muß. Von der Brücke an geht es nun bergauf bis ins 83 km entfernte Havelian.

25. Januar 1996


Steinbruch, 92 kBSteinbruch bei Usman-Khattar

Direkt neben der Brücke wird in einem kleinen Steinbruch Schotter und Split gebrochen.

25. Januar 1996


Kunstbauten, 69 kBBrücken, Dämme, Einschnitte

In dem breiten Tal, durch das wir jetzt fahren, hat der Fluß offensichtlich viel abgetragenes Gebirge abgelagert. Der weiche Boden ist für Einschnitte zwar  kein so großen Hinderniß, Dämme und Brücken bleiben aber aufwendig.

Zwischenzeitlich wird unsere Lok immer langsamer. Der Zug ist eindeutig zu schwer für sie. Wie gut, daß im Blockabstand eine Diesellok folgt, die dann, auch wenn sie eigene technische Schwächen hat, als Nachschub sehr willkommen ist. Auf dieser Strecke ist seit Jahren keine Dampflok mehr gefahren, und das Vorhalten eines Angstdiesels ist nicht unsinnig.

25. Januar 1996


Berge, 57 kBDie Ausläufer des Himalaya

Und dann kommen sie in Sicht, die Berge, die die südlichen Ausläufer des höchsten Gebirges der Welt bilden. Sensationell ist der Anblick sicherlich nicht, und die Gipfel sind auch noch keine 3000m hoch, aber ein besonderes Gefühl beschleicht den einen oder anderen schon.

25. Januar 1996


Havelian, Straße, 63 kBStraße in Havelian

In Havelian erreicht die Eisenbahn ihr Streckenende. Aber hier beginnt der Karakoram Highway. Ich mag mich täuschen, doch auf mich wirkt der Ort wie der Ausgangspunkt eines größeren Abenteuers.

25. Januar 1996


Havelian, Straßenverkauf, 82 kBHavelian, Straßenverkauf

Diverse Güter, die an der Straße angeboten werden, scheinen auf die Reisenden als Kundschaft zugeschnitten. Haltbare Verpflegung (Nüsse sind sehr beliebt) und Tabakwaren gibt es in jedem Laden.

25. Januar 1996


Havelian, Gemüsemarkt, 88 kBHavelian, Gemüsemarkt

Abseits der Hauptstraße findet sich der Gemüsemarkt, mit recht beeindruckendem Angebot.

25. Januar 1996


Havelian, Drehscheibe, 66 kBHavelian, Drehscheibe

Dampfbetrieb mag es hier zwar schon Jahre nicht mehr geben, die handbetriebene Drehscheibe aber ist noch intakt.

Havelian hat anscheinend auch strategische Bedeutung. Die Grenze zur zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Provinz Jammu und Kashmir ist nahe. Neben militärischen Einrichtungen in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs fallen auch eineige junge Männer in sonst unüblicher westlicher Kleidung auf, die mich ansprechen und in recht gutem Englisch neugierige Fragen nach dem Woher und Wohin stellen.

25. Januar 1996


Nachmittagssonne, 56 kBNachmittagssonne

Am späten Nachmittag setzt sich auf der Rückfahrt dann doch wieder die Sonne gegen die Wolken durch. Unser Zug ist inzwischen deutlich geschrumpft. Die Güterwagen sind in Havelian geblieben und die Empfänger der Waren werden sich womöglich über die unerwartet frühe Lieferung gefreut haben.

25. Januar 1996


Haripur-Hazara, Sonnenuntergang, 43 kBSonnenuntergang in Haripur-Hazara

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir Haripur-Hazara und nutzen die Brücke im Ort für eine Serie von Sonnenuntergangsaufnahmen. Weil's so schön ist, wird die Scheinanfahrt dazu gleich mehrfach wiederholt.

Und das ist es dann für uns gewesen mit den Loks aus Malakwal, dem letzten Breitspur Dampf-Bw der PR.

25. Januar 1996


In Haripur wartet der Bus. Von hier geht es zunächst auf der Straße zurück nach Taxila, um am Bahnhof das Gepäck aufzuladen und dann beginnt auf der Grand Trunk Road die zweistündige Reise nach Peshawar. Diese ebenfalls berühmte Straße (die auch hier die Nummer 5 trägt) ist teilweise vierspurig und hat getrennte Fahrbahnen, die Fahrt ist aber nicht weniger haarsträubend als wenige Tage zuvor zwischen Lahore und Changa Manga.

In Peshawar übernachten wir im Dean's Hotel, einem vielleicht mal recht bekanntem aber inzwischen etwas heruntergekommen Anwesen. Nach 135 km und zwei harten Stunden im Bus aber ist mir das ziemlich egal.

Und morgen wartet der Höhepunkt der Reise auf uns: der Khyber Pass!  


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© Copyright 2000 Roland Ziegler