Reisebericht Teil 6

Rückfahrt nach Colombo über Kandy

 

 

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Samstag, 10. April

Habarana - Maho - Polgahawela - Kandy

Die morgendliche Abfahrt verzögert sich mal wieder etwas. Der Viceroy ist noch nicht einsatzbereit. Er steht noch in Galoya und wir fahren dorthin, um an Bord zu gehen, und nicht, wie auch für heute geplant, nach Palugaswewa. Es geht nun den ganzen westlichen Teil der Trinco-Strecke wieder zurück, und, da die Lok in Galoya nicht gedreht werden konnte, weiter Tender voraus. Am frühen Nachmittag wird Maho erreicht. Diesmal schaffen wir es nicht, mit der Lokbehandlung rechtzeitig vor Planzügen fertig zu werden und so stehen wir zwei Stunden herum, bevor es, jetzt wieder Rauchkammer voraus, Richtung Süden nach Polgahawela an der "Main Line" geht. Tagesziel ist Kandy, der einzige und nur kurze Abstecher dieser Tour ins Hochland.

Durch eine nette Fotostelle, an der Dank Sonnenschein und richtiger Sonnenstellung gleich vier oder fünf Scheinanfahrten absolviert werden, verlieren wir fast eine weitere Stunde, so daß wir erst nach fünf in Polgahawela ankommen. Der Plan sah vor, daß es von hier aus mit Unterstützung durch Nr. 213 den Berg hinauf geht.

Nr. 213, unsere Lok nach Puttalam, steht auch in Polgahwela bereit, allerdings Tender voraus. Wie es heißt, sei leider die Drehscheibe in Colombo ausgefallen. Unsere Zuglok der letzten Tage, Nr. 340, steht nach dem Kopf machen in Polgahawela nun auch Tender voraus. Und die Betriebsleitung teilt mit, Tender voraus dürfen Dampfloks nicht auf die Bergstrecke. Bis zum nächsten Bahnhof auf der "Main Line", Rambukkana, ist es noch flach. Und bis dahin fahren wir nach einer halben Stunde Aufenthalt erst mal weiter, eine Lok vorne, eine hinten, und rückwärts. Ab Rambukkana, so heißt es, müsse uns ein Diesel übernehmen.

In Rabukkana geht das Tageslicht zu Ende. Ein wesentlicher Reiz des Anstiegs ins Hochland ist die Aussicht von der Strecke, von der bei Dunkelheit natürlich wenig bleibt. Unter der zusätzlichen "Androhung", mit Dieseltraktion befördert zu werden, entschließen sich die meisten Reisenden, in den Bus umzusteigen und die Fahrt nach Kandy über die Straße zu beenden (was in diesem Land jedesmal ein kleines Abenteuer für sich ist, besonders auf den engen und unübersichtlichen Bergstraßen). Kurz vor Abfahrt des Busses erfahren wir, daß nun doch eine Genehmigung für Dampftraktion vorliege, aber nun müsse man zunächst einmal Wasser nehmen. Über die Straße erreichen wir das Queens's Hotel in Kandy kurz nach 20 Uhr. Der Zug, so hört man am nächsten Morgen, sei erst gegen 23 Uhr in Kandy eingetroffen.

Das Queen's Hotel liegt unmittelbar am Kandy-Lake, der historischen Talsperre mitten in der Stadt. Nahe dem Hotel steht eine der größten Sehenswürdigkeiten von Kandy, der buddhistische Zahn-Tempel, vor zwei Jahren Ziel eines Selbstmordattentats von Tamilen-Kämpfern. Bei diesem Anschlag war auch das Hotel in Mitleidenschaft gezogen worden, mit der Folge einer weitgehenden Renovierung. Trotzdem strahlt das "Queen's" noch immer den Flair vergangener Kolonialepochen aus.

Sonntag, 11. April

Kandy - Peradeniya - Colombo-Maradana

Der Bustransfer vom Hotel zum Bahnhof durch die Innenstadt ist eine sehr zähe Angelegenheit. Schließlich bewegt sich gar nichts mehr und wir gehen die letzten paar hundert Meter zu Fuß. Gerüchteweise ist später von einem Bombenanschlag die Rede. Während des Rückfluges morgen werde ich dieses Gerücht in einer arabischen Zeitung bestätigt finden. Demnach habe ein Attentäter auf dem Busbahnhof von Kandy versucht, einen Bus in die Luft zu jagen. Dabei seien zwei Unbeteiligte ums Leben gekommen.

Im Bahnhof von Kandy herrscht morgens um halb neun viel Betrieb. Viele der Wartenden sind europäische Touristen. Die "Main Line" von Colombo nach Kandy und auch weiter ins Hochland ist die beliebteste Strecke. Die meisten Leute warten auf den "Podi Menike", einen der beiden durchgehenden Tageszüge von Colombo bis zum Streckenende in Badulla. Die beiden "Menike"-Züge führen als letzte Wagen einen "OFV" - Observation First (class) Van. Sitze in diesem Großraum mit Aussicht sind bei Touristen sehr beliebt, kosten Zuschlag und sollten vorher reserviert werden.

Genau betrachtet liegt Kandy gar nicht an der "Main-Line" sondern an der Stichstrecke von Peradeniya Junction nach Matale. Züge ins Hochland, die als Ziel nicht Kandy haben, fahren aber fast alle über diesen wichtigen Bahnhof, und legen dabei den 6 km langen Abschnitt von Perandiya nach Kandy zweifach zurück. Entsprechend dicht ist dieser Teil befahren.

Der Viceroy steht abfahrbereit mit beiden Loks, Nr. 340 und Nr. 213, allerdings auf dem Gleis, wo normalerweise der Podi Menike abfährt. Da wir keine Ausfahrt erhalten, bevor der Menike nicht eingetroffen ist, müssen die "normalen" Reisenden dann leider den Bahnsteig wechseln.

Unmittelbar nach Ankunft des Fernzuges geht es dann für uns los, allerdings nur die 6 km bis Perandeniya Junction, wo wir bereits wieder Kreuzung haben. Der Bahnhof Peradeniya ist als Gleisdreieck gebaut, wobei nur die Äste in Richtung Kandy einen Bahnsteig haben. Züge über Kandy halten üblicherweise im Abstand einer halben Stunde zweimal in Peradeniya. Der uns kreuzende Zug ist ein Intercity Express, der von Colombo-Fort nach Kandy verkehrt und unterwegs nur in Perandniya hält, und mit zweieinhalb Stunden Fahrzeit eine halbe Stunde schneller als der Menike ist.

Danach ist die Strecke erst einmal frei und wir beginnen ab Kadugannawa unseren Abstieg ins Tiefland. Auf etwa 25 km geht es von 517 m hinunter auf 116 m in Rambukkana mit einem Gefälle von 1:45 (22 Promille) über längere Abschnitte. Ein Teil der Strecke verläuft an einem steilen Berghang entlang, mit großartigen Aussichten auf die Landschaft des Hochlandes.

Unten angekommen ist der Rest der Fahrt bis Colombo nun eher langweilig. Zudem kommen wir nur schleppend voran, da wir hinter einem Nahverkehrszug hängen. Gegen 15 Uhr wird Colombo-Maradana erreicht.


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© Copyright 1999 Roland Ziegler