Reisebericht Teil 5

Strecke nach Trincomalee

 

 

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Donnerstag, 8. April (Fortsetzung)

(Anuradhapura) - Maho - Habarana

Maho ist wieder ein Halt zur Lokbehandlung. Hier zweigt, wie bereits erwähnt, die Strecke zur Ostküste ab. Interessanterweise ist der Abzweig auf Richtung Norden ausgerichtet. Züge zwischen Colombo und der Ostküste müssen in Maho Kopf machen, wir, da von Norden kommend, jedoch nicht.

Das heutige Tagesziel heißt Habarana, ein kleines Nest auf halber Strecke zwischen Maho und dem Streckenendpunkt Trincomalee. Auf der Straße sind es von Anuradhapura nach Habarana nur 55 km, auf der Schiene durch den Umweg über Maho aber etwa 140 km. Die Strecke nach Trincomalee wurde als Nebenbahn konzipiert, mit sehr geringem Aufwand beim Erdbau. So paßt sich die Trasse weitgehend dem leicht hügeligen Gelände an, immer wieder gibt es kurze Steigungs- und Gefällestrecken in einer teilweise schon steppenähnlichen Landschaft. Das Gebiet des "Dschungels" an der Westküste hat man hier verlassen.

Die ansonsten ereignislose Reise an diesem Nachmittag wird nur in Kalawewa durch einen weiteren Wasserhalt unterbrochen.

Habarana ist ein winziger Ort an der Kreuzung der Fernstraßen 6 und 11. Der Bahnhof ist nur ein Haltepunkt und liegt auch noch 3 km vom Ort entfernt. Zu sehen gibt es hier nichts besonderes. Allerdings liegt Habarana strategisch günstig zu mehreren kulturhistorischen Reisezielen und zu einigen Naturreservaten. So erklärt sich die Hotelanlage "The Lodge", ein Ort des Luxus inmitten einer bescheidenen, von Landwirtschaft und kleinem Handel geprägten Dorfumgebung.

Im Hotel steigen die Touristen der Kategorie "Studienreisen" ab, ob in größeren und kleineren Gruppen, oder als Individualreisende. Die Zimmer, auf lauter kleine Reihenhäuser verteilt, sind recht komfortabel eingerichtet, und im Restaurant wird eine breite Palette einheimischer (und europäischer) Küche angeboten. Auch der Pool läßt keine Wünsche offen.

Freitag, 9. April

Habarana - Trincomalee - Galoya - Polonnaruwa - Habarana

Da Habarana nur einen eingleisigen Haltepunkt aufweist, wartet der Viceroy in Palugaswewa auf seine Fahrgäste, dem nächsten Bahnhof wenige Kilometer weiter westlich. Von hier aus geht es mit einigen Scheinanfahrten zunächst bis Galoya Junction. Dort beginnt der südliche Ast der "Trincomalee and Batticaloa Line" Richtung Polonnaruwa und Batticaloa. Wir bleiben aber heute morgen auf der Strecke nach Trincomalee (bei Einheimischen abgekürzt als Trinco). Nach dem Ergänzen der Vorräte, wozu nicht nur Wasser für die Lok gehört, sondern auch einige Kisten Bier für den Speisewagen, und Abwarten der Kreuzung mit dem Morgenzug aus Trinco geht es weiter.

Der Zug fährt jetzt durch eine Gegend, die jahrelang wegen des Bürgerkrieges nicht zugänglich war. Auch heute noch ist es ein Gebiet mit hoher Militärpräsenz. Praktisch an jedem die Bahn kreuzenden Feldweg kann man einen Militärposten sehen. Die Soldaten winken uns freundlich zu, wir stellen bestimmt keine Bedrohung dar. Weiter südlich, im Batticaloa-Distrikt, ist der Einfluß der tamilischen Separatisten noch größer. Es ist zu vermuten, daß bei Nacht immer wieder Guerillatrupps zwischen dem Bürgerkriegsgebiet im Norden und der Gegend von Batticaloa durchzusickern versuchen. (Die Tamil-Tigers heißen offiziell "Liberation Tigers of Tamil Eelam", abgekürzt LTTE, wobei Eelam der Name des erhofften unabhängigen Tamilenstaates ist.)

Die Gegend ist sehr dünn besiedelt. Neben den Gleisen verläuft die Fernstraße 6, auf der nur gelegentlich ein Lkw zu sehen ist.

Für den Viceroy ist es der erste Besuch an der Ostküste, und die endgültige Zusage der Fahrt war von der Sicherheitslage abhängig gemacht worden. An Planzügen verkehren zur Zeit nur zwei oder drei Reisezugpaare täglich bis Trinco. In diesen Zügen fährt Militär zur Sicherung mit.

Trincomalee gleicht einem Heerlager. Die Stadt ist seit etwa fünf Jahren wieder unter Regierungskontrolle und mittlerweile auch für Reisende frei zugänglich. Allerdings herrscht fast überall Fotografierverbot. Fort Frederick, eines der Wahrzeichen der Stadt, in seinen Ursprüngen aus dem 17. Jahrhundert unter portugiesischer Herrschaft, wird von hübschen jungen Mädchen bewacht, die uns dann ohne Fotoausrüstung die Besichtigung erlauben. Ein Teil des Inneren ist Kaserne. Auch andere Punkte, von denen man einen Überblick über die Bucht und den ehemals bedeutenden Naturhafen hätte, sind von den Militärs abgeriegelt. Im Istädtchen selbst ist an jeder größeren Kreuzung ein Sicherheitsposten aufgebaut. Und anders als in Colombo wird hier kräftig kontrolliert. Vielen Gebäuden sieht man die Kriegsschäden an, aber am Wiederaufbau wird gearbeitet. Touristen verschlägt es derzeit noch eher selten nach Trinco, wir werden bei unserem kurzen Rundgang neugierig, aber sehr freundlich begrüßt. Im Ort hängen noch die Fähnchen aus dem vergangenen Wahlkampf, hier hauptsächlich in weiß, der Farbe der im Parlament vertretenen gemäßigten Tamilen-Partei.

In Trinco gibt es keine Möglichkeit, die Lok zu drehen. Die Rückreise treten wir entsprechend Tender voraus an. Das am Vormittag noch sonnig heiße Wetter ist durch ein aufziehendes Gewitter abgelöst worden, und kurze Zeit später öffnen sich die Himmelsschleusen. Auf dem Führerstand wird man naß, aber das ist bei den Temperaturen dort eher als angenehm zu betrachten. Weniger angenehm sind die nassen Schienen, denn die Lok ist nicht mit Sand ausgerüstet.

An irgendeinem der vielen kleinen Hügel packen wir es dann nicht mehr und bleiben mit schleudernden Rädern hängen. Beim Versuch, wieder auf ebene Strecke zurückzusetzen, passiert es: Am Steuerbock bricht ein Bolzen, und die Steuerung läßt sich nicht mehr auf rückwärts legen. Sicherheitshalber wirft man erst mal das Feuer raus, bevor mit der Reparatur auf freier Strecke begonnen wird. Dazu hat man schließlich den Werkstattwagen und eine Begleitmannschaft. Die Reparatur verläuft erfolgreich und nach einer knappen Stunde geht es mit frischem Feuer weiter. Nach Galoya Junction erhalten wir für längere Zeit keine Einfahrt, und als das Signal dann gestellt wird, blockiert die Steuerschraube wieder. Diesmal gelingt es, die Steuerung innerhalb von 10 Minuten wieder gangbar zu machen und so fahren wir um 17:30 wieder in Galoya ein.

Laut Programm ist jetzt noch ein Abstecher nach Polonnaruwa auf der Strecke nach Batticaloa vorgesehen. Auf diesem Abschnitt herrscht mehr Verkehr als nach Trinco. Der Stationmaster von Galoya erklärt, wenn wir es schaffen, die notwendige Lokbehandlung innerhalb einer halben Stunde abzuschließen, würde er uns um sechs nach Polonnaruwa fahren lassen, wenn nicht, müßten wir bis sieben warten. Planzüge haben Vorrang. Die Begleitmannschaft des Viceroy sagt, wir schaffen das, Ausschlacken sei nicht nötig, und Lösche ziehen geht auch am Bahnsteig, während Wasser genommen wird.

Die Reiseleitung bietet an, mit einem der Begleitbusse von Galoya aus direkt ins Hotel zu fahren, aber die Mehrheit der Fahrgäste entscheidet sich, im Zug zu bleiben. Tatsächlich sind wir um sechs abfahrbereit und der Lokführer bekommt das Tablet ausgehändigt. Schon in Galoya wurde es dämmrig, und dieser letzte Teil der heutigen Reise findet, wie am Vortage vermutet, bei Dunkelheit statt.

Da die Biervorräte am Morgen aufgefüllt wurden, ist es nun ein angenehmer Ausklang, bei wie üblich geöffneten Fenstern im Speisewagen die Produkte der einheimischen Löwenbrauerei zu testen. Lion's ist die bekannteste Biersorte in Sri Lanka, die in Nuwara Eliya (gesprochen "Nu-RELL-ija") gebraut wird, dem höchsten Ort Sri Lankas auf knapp 2000m Höhe. Von Lion's gibt es auch ein Stout, das mit 8% Alkohol zwar ganz schön zuschlägt, bei den Briten allerdings Heimatgefühle aufkommen läßt und im Speisewagen zum Renner wird.

Auf halber Strecke in Hingurakgoda ist nochmals Kreuzung und auch bei unserer Ankunft in Polonnaruwa gegen 19:30 wartet ein weiterer Zug auf die Blockfreigabe. Polonnaruwa ist derzeit Endpunkt für alle Reisezüge. Die weitere Strecke bis Batticaloa ist zwar intakt, wird aber nur sporadisch von Güterzügen befahren

In Polonnaruwa verlassen wir den Viceroy, der wieder nach Galoya zurückkehren wird. Mit dem Bus geht es zum Hotel nach Habarana. Der Fahrer ist recht vorsichtig, zwar sind wir aus dem durch Tamil-Tigers gefährdeten Gebiet heraus, aber eine andere Gefährdung droht in dieser Gegend: wild lebende Elefanten. Und tatsächlich sehen wir sie auf unserer Fahrt an mehreren Stellen am Straßenrand, wo sie, vom Scheinwerferlicht unbeeindruckt oder vielleicht auch angelockt, ihrer Nahrungsaufnahme nachgehen.


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© Copyright 1999 Roland Ziegler